Mike Kunzelmann bei der Panafrica-Rallye in Marokko

21. bis 27. September 2019

Berichte: Mike Kunzelmann

Ich bin momentan in Marokko und werde hier meine erste Rallye bestreiten. Ein Traum den ich mir selbst erarbeitet habe und ich kann es noch gar nicht glauben, dass ich ab morgen eine Woche lang mit den besten Rallyefahrern der Welt durch die Wüste fahren werde.

Meine erste Rallye, das erste mal in den Dünen und ein Standard Leihmotorrad, ich werde es also langsam angehen, mich nicht verletzen, lernen und Spaß haben. Es wird sehr hart, Temperaturen zwischen 40 - und 50 Grad und eine Menge Sand ! Morgen geht es los mit dem Prolog, bis dahin 😎.

 

22.09.2019: Etappe 1  Panafrica
Die erste Etappe lief schonmal nicht ganz nach Plan 
😄 Als 25er ging ich heute morgen an den Start und ich konnte in den ersten 10km gleich 5 Fahrer überholen. Ich fühlte mich sehr wohl in den Dünen, obwohl es mir manchmal ein bisschen Schwindelig wurde 😅 Bei KM 17 in einem Flussbett folgte ich dann zwei anderen Fahrern, was natürlich dumm war, da ich eigentlich auf dem richtigen Weg war ! Wir haben uns dann komplett verfahren und eine Menge Zeit verloren (30min).
Als ich den Weg wieder gefunden hatte kam dann schon der erste Quad Fahrer von hinten und ich folgte ihm bis ins Ziel und konnte noch eine gute Pace gehen!
Morgen geht's weiter, ich geb mein bestes.

 

23.09.2019: Etappe 2 - Panafrica
Verrückter Tag heute ... als 33er von 55 Fahrern ging es heute an den Start. Zu Beginn in den Dünen konnte ich wieder ein gutes Tempo gehen und auf eine große Gruppe Fahrer auffahren. Wir bildeten eine Gruppe doch ich musste nach den Dünen abreißen lassen, da mir das Tempo auf dem offenen Geläuf viel zu hoch und gefährlich war. Zum Teil hatten wir Geschwindigkeiten über 140 km/h und das war mit dem Standard Bike eine Nummer zu Krass!
Nach dem ich Johnny Aubert und Mario Patrao beim gestürzten Alessandro Botturi sah (alles Fahrer aus der Spitzengruppe) war mir dann auch klar, das ich Tempo rausnehmen muss ...
Das Wasser im Trinkrucksack hatte übrigens auch gefühlt 50 Grad !
Die Navigation war sehr schwierig den Tag über, doch ich hatte keine große Probleme und konnte alle Wegpunkte finden. Leider war ich in den Radar Zonen 2 mal zu schnell wofür ich noch eine Zeitstrafe bekommen werde, dumm von mir. Ein weiterer Top Fahrer (Xavier Flick) traf ich auf dem Weg, der wohl Probleme mit seinem Bike hatte.
Zum Schluss ging es dann nochmal in wirklich extrem große Dünen, wo ich einmal sogar umkehren musste und nochmal 500m Schwung holen musste um hoch zu kommen. Oben angekommen kochte das Bike ordentlich und ich musste mein restliches Wasser aus dem Trinkrucksack nachfüllen. Die Kupplung war ebenfalls durch und ich habe die Gänge nur noch so reingeklatscht 
😁 Die letzten Kilometer waren dann echt zäh und ohne Trinken bei 50 Grad unerträglich. Die Dünen habe ich zum Teil schon doppelt gesehen.

Im großen und ganzen ein harter aber gelungener Tag. Morgen geht's weiter 😎.

24.09.2019: Etappe 3 Panafrica
Sehr schneller und gefährlicher Tag heute. Die meiste Zeit weit über 100km/h und eine zum Teil schwierige Navigation. Das konnte man heute mit der MotoGP im offenen Geläuf (Steine, Sand) vergleichen, total verrückt. Ich kam mir manchmal vor wie beim Strandrennen in Le Touquet, mit 140, das ganze Bike von rechts nach links und 10km nur geradeaus !!!
Ich habe zu Beginn wirklich alles gegeben und hatte auch ein echt gutes Gefühl, bis ich einen Wegpunkt nicht finden konnte und ich eine Menge Zeit (20min) verloren hatte.
P 17 am Ende und mein bisher bester Tag, auch wenn ich ein bisschen sauer bin, da ich eine Menge Zeit verloren habe. Ich bin aber einer der wenigen Fahrer die alle Wegpunkte gefunden haben und es ist mein erster Tag ohne Strafen (diesmal nicht zu schnell) 
😉

Ist echt krass zu sehen wie die Leute hier leben ... Großteil der Einwohner sind noch auf dem Esel, Pferd, Kamel oder Fahrrad unterwegs 🐎🐫 und man erlebt bei so einer Etappe einiges ... gefühlt an einem Tag so viel wie in einer ganzen Enduro und GCC Saison zusammen 😄

Morgen geht's weiter, Marathon Etappe sitze bereits über 3 Stunden am Roadbook, noch kein Ende in Sicht 😐.

25.09.2019: Etappe 4  Panafrica
Zur heutigen Marathonetappe fällt mir nicht mehr viel ein, ich bin einfach nur sprachlos 
😁
Ich konnte die ersten 150 Kilometer gut pushen und eine lange Zeit mit Profis wie Jonny Aubert und Mario Patrao mitfahren, was für mich Vorbilder sind, von denen ich normal nach Autogrammen frage ... ich kann es selbst noch nicht glauben.

Bei KM 150 hatte ich dann plötzlich nur noch den 3 und 4 Gang ... Für mich bedeutete das, Bike schonen und ins Ziel bringen … noch 250km 😁😁😁 war leider nicht so witzig da ich auf den schnellen Passagen nicht über 80 km/h gehen konnte!
Zwei Schrecksekunden gab es ebenfalls für mich, gleich zu Beginn wäre ich beinahe mit einem Kamel kollidiert und kurze Zeit später bin ich mit weit über 100km/h in ein Loch, was mich so aushebelte, dass ich nur noch auf dem Motorrad lag und irgendwie versuchte mich festzuhalten.
Da ich nicht mehr so schnell fahren konnte wie geplant, konnte ich mich voll und ganz auf die Navigation konzentrieren und machte keinen Fehler, währenddessen Aubert und Patrao sich bestimmt 3 mal verfahren hatten vor mir.
Umso länger der Tag ging, desto besser lief es und mir schien es das einige Fahrer vor mir körperlich und mental ziemlich am Ende waren. So konnte ich zum Schluss noch einige Fahrer passieren und landete am Ende auf einem 9 Platz, mittendrin statt nur dabei 
😁😎

Nach 8 Stunden auf dem Bike bei 40-50 Grad heißt es jetzt noch Roadbook schreiben und hoffen das meine Mechaniker das Bike wieder auf Vordermann bringen. Morgen steht eine etwas kürzere Etappe auf dem Programm, bis dahin.

26.09.2019: Etappe 5 Panafrica
Heute morgen startete ich das erste mal in den Top 10, was das Navigieren schwieriger machte, da ich nur noch wenige Spuren vor mir hatte.

Bei KM 10 hatte ich einen heftigen Sturz, nachdem ich eine Kurve übersah und zu weit raus kam. Ich traf einen großen Stein mit dem Vorderrad und mich überschlug es über den Lenker. Mit großen schmerzen im rechten Knie ging es dann auf die noch fast bevorstehenden 300km, die sehr schnell und gefährlich waren.
Ich riskierte nicht mehr viel und fand alle Wegpunkte, alles Top ! Der ein zigste der mich von hinten überholte war Jonny Aubert, mit dem ich wieder eine lange Zeit zusammen fahren konnte. Am Ende Platz 11 und ich konnte mein Ergebnis von gestern bestätigen 
😊
Jetzt heißt es Bein hoch legen und ausruhen für den letzten Tag morgen. Morgen geht's nach einem Motocross Start (immer 5 Fahrer zusammen) in die Dünen !
Fast geschafft, nur noch heim fahren.

Kurze Info, in der Enduro Wertung liege ich derzeit auf dem 3 Platz und was ich gestern auch noch erfahren habe, dass ich der jüngste Teilnehmer bin 😁 Overall sollte ich unter den ersten 15 sein, offizielle Ergebnisse sind derzeit noch nicht raus.

27.09.2019: Etappe 6 Panafrica

Was für eine verrückte Woche hier in Afrika! Ich bin mega Happy meine erste Rallye zwischen den ganzen Top Jungs zu beenden und das ganze mit einem Serien Enduro Bike und null Rallyeerfahrung. Ich bin, glaube ich, das erste mal richtig Stolz auf mich selbst und auch ein bisschen überrascht, wie gut ich das hinbekommen habe!

Heute ging es nach einem Massenstart in die Dünen, wo ich lange Zeit mit den Rallyebikes mithalten konnte. Das Tempo war extrem hoch, vergleichbar mit einem Motocrossrennen, nur das man nicht wusste wo es hingeht und ständig eine neue Gefahr auf einen lauerte. Bei KM 25 musste ich bei einer großen Düne leider einen Umweg fahren, da meinem Bike die Leistung ausging. Die Etappe  beendete ich auf Platz 12, nur 5 Minuten hinter der Spitze.

Ich möchte mich bei allen bedanken, die mich diese Woche unterstützt haben und mir geholfen haben wo es nur ging. Nomadas Adevnture für das Bike und den Service, Gerrard Farres für die Tipps beim Roadbook schreiben und auch ein riesigen Dank an all eure Messages in Instagram und auf Facebook!! Jetzt heißt es Sponsoren suchen und ich hoffe meine nächste Rallye folgt, und ich kann dann mit einem besseren Bike am Start stehen. An der Navigation, Kondition und dem Fahrerischen scheitert es auf jeden Fall nicht, jetzt muss nur noch Erfahrung gesammelt werden.

 

Jetzt konzentrier ich mich erstmal voll und ganz auf den letzten Lauf der German Cross Country und die Siy Days in Portugal im November! Morgen geht’s ab nach Hause und am Sonntag werde ich beim ADAC Pirelli Enduro Cup in Schopfheim zusammen mit Mark scheu um den Sieg kämpfen.

 

Meine Sponsoren:

-Nomadas Adenture

-Autoservice Wiedemann

-Motorrad Pfefferle

-Maxxis Reifen

-Nepro Sport

-Winklersuspension

-ADAC Pfalz

-Pflasterbau Kaltenbach

-Duffner Bautechnik

-Koch Gartengestaltung

-Team Fahrschule Baumann